Warum dieser Blog jetzt ein KI-Badge trägt
Seit heute markiert ein kleines Badge jeden Post, dessen Fließtext maßgeblich eine KI mitformuliert hat. Der AI Act verlangt das von mir nicht – ich mache es trotzdem.
Beim letzten Post über souveräne LLM-Architekturen ist mir aufgefallen, wie viel vom Fließtext eigentlich nicht von mir stammt. Die Gliederung, die Kernthesen, die technischen Entscheidungen – alles meins. Aber ganze Absätze in der finalen Ausformulierung hat eine KI geschrieben, ich habe sie nur freigegeben und geprüft. Das wollte ich nicht länger stillschweigend so lassen.
Was das Badge zeigt
Jeder Beitrag, in dem ein Modell an der Formulierung mitgeschrieben hat, trägt jetzt ein kleines Badge neben Datum und Tags: „IDEA". Ausgeschrieben: I Direct, Engine Assembles – Idee, Konzept und fachliche Einordnung stammen von mir, das Modell hat nur den Text zusammengesetzt. Ein Tooltip erklärt das beim Hovern oder Fokussieren:
I Direct, Engine Assembles — the idea, concept and thinking are mine; the prose was drafted with AI assistance.
Technisch ist es ein einzelnes Flag, das meine Blog-engine auswertet – pro Sprachversion, nicht pro Beitrag. Ein Post kann im Original handformuliert sein und nur in der Übersetzung das Badge tragen, oder umgekehrt.
Was der AI Act von mir verlangt – nämlich nichts
Der Teil, der mich amüsiert hat, als ich es nachgelesen habe: Artikel 50 Abs. 4 AI Act verpflichtet zur Kennzeichnung von KI-generiertem Text zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse – aber nur, wenn der Inhalt kein menschliches Review durchlaufen hat und keine natürliche oder juristische Person die redaktionelle Verantwortung trägt. Ich lese jeden Satz vor Veröffentlichung, korrigiere, kürze, widerspreche mir selbst und stehe für jede Behauptung im Text mit meinem Namen ein. Damit falle ich aus dem Anwendungsbereich raus, bevor er überhaupt anfängt.
Ich mache das Badge trotzdem. Nicht weil ein Gesetz es verlangt, sondern weil Leser hier ein Recht darauf haben zu wissen, wessen Handschrift sie gerade lesen – auch wenn es rechtlich niemanden interessiert außer mir.
Was sich dadurch nicht ändert
Jeder Post fängt mit einer Gliederung an, die ich selbst schreibe: Stichpunkte, Kernthesen, Code-Beispiele, die tatsächlich von mir stammen und nicht erfunden sind. Was eine KI übernimmt, ist ausschließlich die letzte Meile – Sätze glattziehen, Wiederholungen raus, bei Übersetzungen den Zieltext produzieren. Vor Veröffentlichung lese ich jeden Beitrag komplett durch, ändere, was falsch klingt oder nicht meine Stimme trifft, und stehe fachlich hinter jeder Zeile. Das Badge ändert daran nichts, es macht nur sichtbar, an welcher Stelle im Prozess die KI mitgeschrieben hat.
Für einen Blog, der öfter über KI-Architekturen schreibt als die durchschnittliche Konkurrenz, wäre es unpassend gewesen, selbst intransparent zu bleiben, wo der eigene Text herkommt. Wer im eigenen Unternehmen irgendwann offenlegen muss, welche Inhalte KI-unterstützt entstanden sind, kann sich das Prinzip gerne kostenlos abschauen.